Zivilcourage

Ahmed tat das Richtige – zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort,
weil es um Mitgefühl ging,
weil es um Mut ging,
weil es um zivile Reife ging,
weil es um Solidarität ging,
weil es um den höheren Wert der Gemeinsamkeit ging,
weil es um Gesellschaft ging,
weil es um Zivilcourage ging,
weil es um Menschlichkeit ging.
Ahmed machte sichtbar, was oft übersehen wird:
Selbstbestimmung ist kein Privileg – sie ist ein Menschenrecht

Mir ist wichtig klarzustellen, dass ich nicht für eine Trennung oder Abspaltung der Kurden, Aserbaidschaner oder anderer Volksgruppen eintrete. Ich bin überzeugt, dass ein demokratischer Iran, der seine kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt anerkennt, die beste Zukunftsperspektive bietet. Autonomie im Sinne eines föderalen oder dezentralen Systems ermöglicht Minderheiten Selbstverwaltung und kulturelle Entfaltung, ohne die territoriale Einheit Irans infrage zu stellen. Das Recht auf Selbstbestimmung ist dabei eine demokratische Grundlage – kein Gegensatz zur Einheit des Landes.
Freiheit, Würde und Gerechtigkeit sind keine Geschenke von Staaten. Sie sind Rechte. Rechte, die jedem Menschen zustehen – universell, unveräußerlich und unteilbar. Diese Prinzipien bilden seit Jahrzehnten das Fundament des internationalen Menschenrechtssystems. Doch zwischen völkerrechtlichem Anspruch und politischer Realität klafft oft eine tiefe Lücke. Kaum irgendwo wird das so deutlich wie im Iran.
Was bedeutet es, „unsterblich“ zu sein?

(Veröffentlicht in Dezember-Ausgabe von Literaturzeitschrift „etcetera“ Nummer 101. – Foto: Doris Kloimstein -) https://www.st-poelten.at/news/19306-litges-etcetera-heftpr%C3%A4sentation )
Die Eroberung der Herzen der Menschen? Der Eintrag des eigenen Namens in Schulbücher? Oder ein Denkmal aus Stein auf einem Platz in der Hauptstadt – gedacht und geplant für die Ewigkeit? Die Wahrheit ist: Nichts davon garantiert echte Unsterblichkeit. Unser Gedächtnis ist keine Festplatte, auf der alle Daten immer verfügbar bleiben. Namen, die oft erwähnt und wiederholt werden, bleiben präsent. Andere – oft sogar bedeutendere Persönlichkeiten – verschwinden, weil sie keinen Platz in den dominanten Erzählungen finden.
Einige sind fest überzeugt: Man ist unsterblich, wenn man Großes für das Land geleistet hat. Kriege führen und Blut vergießen, Länder erobern, Kulturen vernichten, Städte und Dörfer niederbrennen, monumentale Denkmäler errichten lassen – auch wenn das das Leben von Tausenden kostet. All das galt lange Zeit als Zeichen von Größe. Alexander der Große, Dschingis Khan, die Pharaonen, Hitler oder Stalin zählen dazu. Tatsächlich sind sie auf gewisse Weise „unsterblich“ – aber eben nur fast. Ihre Namen tauchen im Geschichtsunterricht auf, in der Politikwissenschaft, in Drehbüchern für Dokumentationen oder Hollywood-Fantasyfilme. Dann werden solche Namen ….
Warum Hannah Arendt uns Migranten heute noch etwas zu sagen hat

nsbesondere Migrantinnen und Migranten aus totalitären Ländern, die in Österreich eine zweite Heimat gefunden haben, sollten den Jahrestag von Hannah Arendt zum Anlass nehmen, ihre Werke (wieder) zu studieren. Es geht dabei nicht nur darum, sie zu würdigen – ihr Platz in der Geschichte und im kollektiven Gedächtnis ist längst gesichert. Und es geht auch nicht darum, die Geschichte bloß neu zu lesen. Meiner Meinung nach geht es darum, ihre zentralen Erkenntnisse und Einsichten besser zu verstehen. Viele davon sind zeitlos. Manche von uns haben in ihrer ersten Heimat selbst erlebt, wovor Arendt gewarnt hat.
Wenn sie schreibt: „Gewöhnliche Menschen können größte Verbrechen begehen, wenn sie nicht denken und blind gehorchen“, – wie recht sie hatte.
Schatten der Zeit

Ein Freund, der – wie wir – in Österreich eine neue Heimat gefunden hatte, kam zu Besuch.
Er hatte in Wien studiert, war später in die USA ausgewandert und hatte dort ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut.
Nun war er für zwei Wochen wieder hier – und das war Grund genug, dass sich „das Team“ nach vielen Jahren wieder traf.
Der Schatten der Zeit war unübersehbar.
Wir sind älter geworden – zum Glück auch erfahrener, vielleicht sogar ein bisschen weiser. Einige neue Gesichter sind dazugekommen: Ehepartnerinnen, Ehepartner. Sie sind genauso willkommen wie die alten Weggefährtinnen und Weggefährten – denn sie gehören nun ebenfalls zu unserer Geschichte.
Man erkennt die Veränderungen sofort:
verlorene Haare, weiße Strähnen, stärkere Brillen, Falten um die Augen, Spuren am Hals – keine glatte Haut mehr. Das ist der Lauf des Lebens. Jede und jeder trägt die Last der eigenen Vergangenheit, das Gewicht des Geschehenen. Das Schicksal hat es mit uns nicht gleich gemeint.
Ich zum Beispiel habe acht Jahre meines Lebens in Geiselhaft verbracht. Meine Frau musste in dieser Zeit allein unsere drei Kinder großziehen. Ein anderer kämpft mit einer chronischen Krankheit. Wieder jemand hat geliebte Menschen verloren.
Und doch – wir alle sind noch hier.
Die Augen und das Lachen in den Gesichtern verraten, wie sehr sich jede und jeder auf dieses Wiedersehen freut –
darauf, dass wir heute gesund und frei nebeneinander sitzen, über die Vergangenheit sprechen können, zwanglos, ohne Angst und ohne Urteile.
آتش زیر خاکستر – Feuer unter der Asche

Die Bewegung „Jin, Jian, Azadî – Frau, Leben, Freiheit“ begann in Kurdistan und breitete sich wie ein Lauffeuer im ganzen Iran aus. Innerhalb weniger Tage wurde sie nicht nur zur Hoffnung der unterdrückten Menschen im Land, sondern auch zu einem weltweiten Ruf nach Freiheit.
Die Kurden standen an der Spitze dieser Befreiungsbewegung, doch bald schlossen sich Frauen und Männer aus allen Völkern des Iran an. Sie „lebten“ im wahrsten Sinne des Wortes – sie suchten einen Hoffnungsschimmer, ein kleines Licht, einen Spalt, durch den sie gemeinsam und ohne Angst aufstehen konnten.
Begegnung mit Bezirksvorsteherin Saya Ahmad

or kurzem hatte ich die große Freude, Frau Saya Ahmad, Bezirksvorsteherin des 9. Bezirks, zu treffen. Das Gespräch war von einer sehr offenen und herzlichen Atmosphäre geprägt. Frau Ahmad zeigte nicht nur großes Interesse an meinem Buch „2707 Tage im Evin-Gefängnis – Iranische Geiseldiplomatie“, sondern lobte auch dessen Bedeutung. „Dieses Buch leistet einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis von Freiheit, Demokratie und Integration.“ – Saya Ahmad
Besonders bewegend für mich war ihre positive Resonanz auf die Entstehung unserer neuen Plattform „Danke Österreich“, die ich als Initiative zur Förderung von Dialog, Mitgestaltung und gesellschaftlichem Zusammenhalt gegründet habe. Frau Ahmad begrüßte die Idee mit viel Herzlichkeit und Verständnis für die Werte, die dahinterstehen.
📢 Einladung: „Danke Österreich“ beim Amnesty-Event in Wien, Wild im West: Karl-Farkas-Gasse x Maria-Jacobi-Gasse, 1030 Wien

Am Samstag, 13. September 2025 bin ich mit meinem Buch und der von mir gegründeten Initiative „Danke Österreich“ beim Amnesty-Event „More Human Rights Please – Zusammen Wild im West“ in Wien vertreten.
Wild im West: Karl-Farkas-Gasse x Maria-Jacobi-Gasse, 1030 Wien
🕒 15:00 – 18:00 Uhr
📍 Stand „Danke Österreich“
🎤 Interview mit mir um 17:30 Uhr
📖 Worum geht es?
An unserem Stand habt ihr die Gelegenheit, mein Buch
„2707 Tage im Evin-Gefängnis – Iranische Geiseldiplomatie: Erinnerungen, Enthüllungen, Strukturen“
kennenzulernen. Es ist ein einzigartiges Zeitdokument, das auf meinen eigenen Erfahrungen als politischer Gefangener im Iran basiert. In diesem Buch erzähle ich nicht nur von den 7,5 Jahren meiner Gefangenschaft und Geiselhaft, sondern gebe auch Einblicke in die politischen Strukturen, Hintergründe und Mechanismen der sogenannten „Geiseldiplomatie“ des iranischen Regimes.
🕊 Über die Initiative „Danke Österreich“
„Danke Österreich“ ist meine persönliche Herzensangelegenheit.
Mit dieser Initiative möchte ich zeigen, wie wichtig Dankbarkeit gegenüber einem Land ist, das einem Schutz, Sicherheit, Rechte und neue Perspektiven bietet. Österreich hat mir – nach meiner Geiselhaft – eine neue Chance im Leben gegeben. Gleichzeitig will ich mit „Danke Österreich“ eine Plattform schaffen, auf der wir uns für Demokratie, Menschenrechte, Integration und ein respektvolles Miteinander stark machen.
Ein besonderer Fokus liegt darauf, Menschen mit Migrationshintergrund zu ermutigen, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Gaza, Israel und die Verantwortung der Menschlichkeit

Die aktuelle Situation in Gaza verlangt von uns allen Klarheit, Mitgefühl und Mut.
Als jemand, der selbst Opfer eines islamistischen Regimes war, spreche ich nicht aus ideologischer Voreingenommenheit, sondern aus der Überzeugung, dass Terror, Unrecht und Krieg niemals zu Frieden führen können – weder in Israel noch in Palästina.
A) Das Recht auf Selbstverteidigung – und seine Grenzen
Nach dem entsetzlichen Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 war eine entschlossene Reaktion Israels gerechtfertigt. Hamas hatte bewusst Zivilisten massakriert, Raketen abgefeuert und eine Region in Angst und Schrecken versetzt – mit aktiver Unterstützung durch das iranische Regime. Ziel der israelischen Militäroperation war es, die militärische Schlagkraft der Hamas zu zerschlagen und ihre politische Kontrolle über den Gazastreifen zu beenden. Diese Ziele wurden – auch laut internationalen Beobachtern – größtenteils erreicht. Doch was darauf folgte, war kein Akt der Verteidigung mehr, sondern eine zweite Welle der Gewalt, die Tausende zivile Opfer forderte und die Grenze zur kollektiven Bestrafung überschritten hat.
Diese Fortsetzung der Offensive ist strategisch falsch und moralisch nicht zu rechtfertigen.
B) Wenn Verteidigung zur Zerstörung wird
Zivile Infrastrukturen,….
Kurzgeschichte – Ein schlechter Tag – aber nicht so, wie Sie denken

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie einen schlechten Tag haben. Ich meine nicht einen dieser Tage, an denen man sich schlapp fühlt, mit Kopfschmerzen aufwacht oder sich vielleicht erneut mit Corona infiziert – nein, nicht diese Art von Tag. Und ich spreche auch nicht von Tagen, an denen nichts funktioniert oder alles schiefgeht, was man sich vorgenommen hatte. Nein, auch das ist nicht gemeint. Ich meine eher einen Tag, an dem man seine Aufgaben zwar erfüllt, aber dabei viel mehr Aufwand, Energie und Kosten aufwenden muss, als geplant oder üblich. Ein Tag, an dem Jammern nichts nützt, und Fluchen zwar kurzfristig Erleichterung bringt, aber keine Lösung ist. Statt jetzt lange zu erklären, was ich meine, erzähle ich Ihnen lieber, was mir vor einigen Tagen passiert ist.
Ich musste mehrere Exemplare meiner neu erschienenen Bücher – eines auf Deutsch, eines auf Englisch – an verschiedene Institutionen abgeben. Ich habe sie als Selbstverleger auf Amazon veröffentlicht. Diese Abgabe erfolgt natürlich „freiwillig“ – also so freiwillig wie Steuerzahlen – und selbstverständlich unentgeltlich. Wer gibt heutzutage schon gern etwas her, ohne dafür bezahlt zu werden? Genau – Autoren, die mit viel Mühe, Kreativität und Zeit diese Werke schaffen.
Normalerweise schickt man solche Pflichtexemplare per Post …