Am Donnerstag, dem 5. Februar 2026, fand in Wien ein einstündiges Gespräch zwischen Teilen der iranischen Zivilgesellschaft in Österreich und der Abgeordneten zum Nationalrat sowie Obfrau des außenpolitischen Ausschusses, Petra Bayr (SPÖ), statt. Ziel des Treffens war es, über die aktuelle Lage im Iran zu informieren, Erwartungen an Österreich und die Europäische Union zu formulieren und den offenen Dialog zwischen Politik und Diaspora zu vertiefen.

Zu Beginn stellte ich als Moderator klar, dass wir nicht die gesamte iranische Diaspora vertreten, sondern engagierte, zivilgesellschaftlich organisierte Teile davon. Wir dankten Petra Bayr und der SPÖ für ihre konsequente Unterstützung der iranischen Bevölkerung und der Protestbewegung – eine Haltung, die vielen Menschen im Iran und in der Diaspora Hoffnung gegeben hat.

Im weiteren Verlauf berichtete Dr. Hamid Hemmatpour von der Arbeit von Medical Staff for Human Rights – Austria. Er schilderte, wie medizinisches Personal versucht, Kontakt zu Kolleg:innen im Iran zu halten, Menschenrechtsverletzungen aus medizinischer Sicht zu dokumentieren und Betroffenen – etwa über Telemedizin – zu helfen. Besonders eindrücklich waren seine Schilderungen über die dramatische Situation in iranischen Krankenhäusern und den Umgang mit Verwundeten.

Anschließend sprach Kimia Soltani über die anhaltenden Proteste, die staatliche Gewalt – insbesondere gegen Frauen – und die geopolitische Unsicherheit. Sie wies auf das Paradox hin, dass manche Menschen aus reiner Verzweiflung sogar Hoffnung in unberechenbare internationale Akteure setzen.

Petra Bayr betonte die schwierige weltpolitische Lage und stimmte zu, dass die Europäische Union eigenständige Interessen im Nahen Osten verfolgen müsse – vor allem in Bezug auf Stabilität, Demokratie und Menschenrechte.

In unserem Gespräch erläuterte ich auch die Vielfalt der iranischen Opposition. Iran gehört allen: von liberalen und linken Kräften bis hin zu nationalen und monarchistischen Strömungen. Trotz aller Unterschiede eint viele das gleiche Ziel: Freiheit, Demokratie und ein Ende der Diktatur.

Wir formulierten drei zentrale Erwartungen an Österreich und die EU:

  1. Gehör verschaffen: Den Stimmen der iranischen Zivilgesellschaft weiterhin Raum geben.
  2. Finanzkanäle des Regimes einschränken: Auch in Österreich mögliche Netzwerke kritisch prüfen.
  3. Medizinische Hilfe ermöglichen: Verwundeten und Schwerkranken aus dem Iran die Einreise zur Behandlung erleichtern.

Petra Bayr sagte ihre weitere Unterstützung zu und kündigte an, dass im nächsten außenpolitischen Ausschuss die Lage der Kurd:innen in Syrien und Iran behandelt werde. Sie begrüßte ausdrücklich die Zusammenarbeit von Kurd:innen und Iraner:innen in Menschenrechtsfragen und verwies auf den Wiener Dialogprozess zu Afghanistan als mögliches Vorbild.

Zum Abschluss überreichten wir einen offenen Brief ausgewählter Organisationen und Persönlichkeiten der iranischen Diaspora sowie eine Gedenkkarte für die Gefallenen. In einem symbolischen Akt entzündeten wir drei Kerzen in den Farben der iranischen Flagge – als Zeichen der Erinnerung und der Hoffnung. Außerdem übergab ich Petra Bayr ein Exemplar meines Buches mit persönlicher Widmung als Freundin der Kurd:innen und Iraner:innen.

Das Treffen war von Respekt, Professionalität und gegenseitigem Vertrauen geprägt und markierte einen weiteren Schritt in einem offenen, konstruktiven Dialog zwischen Politik und Zivilgesellschaft.

Link von Video von diesem Treffen: https://youtube.com/shorts/SOqhdueds7I

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